...ist umfangreich... und meine Leidenschaft. Doch leider reicht ein Menschenleben wohl nicht aus, um sie zu ergründen.
Man kann sich ihr aus den verschiedensten naturwissenschaftlichen Disziplinen nähern, und viel Wissen anhäufen, ohne dass man sie nur annähernd erfassen oder gar erklären könnte. Da sind noch viele Fragen offen.
Es gibt unzählige Bücher, langweilige und interessante, Einteilungen und Tabellen mit den Eigenschaften und Wirkungen der Farben.
Am aufschlussreichsten und spannendsten ist es allerdings die Farben selbst erzählen zu lassen! Öffnet man seine „inneren Ohren“, und vor allem die Augen (!), so erfährt man Außerordentliches. Ernsthaft! Manch ein Maler spricht ihnen sogar eine eigene Seele zu (Odilon Redon), oder einen eigenen Charakter (Cezanne).
Goethes Farbenlehre:
Wie kaum ein anderer erkannte im 18. Jahrhundert der Dichter und Naturwissenschaftler Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) die unmittelbare Bedeutung der Farbe für den Menschen.
Seine 1810 erschienene Farbenlehre in 5 Bänden (ca. 2000 Seiten) beschäftigt sich u.a. mit dem „sinnlich-sittlichen Charakter“ der Farbe, d.h. mit ihrer physiologischen und psychologischen Bedeutung.
Dieser Ansatz ebnete den Weg für die heute stark verbreitete Farbtherapie und Farbpsychologie und war eine der Grundlagen meiner Ausbildung (Goetheanistische Studienstätte Wien).

Einige Ausschnitte aus der Farbenlehre Goethes:
Gelb.
Es ist die nächste Farbe am Licht...
...Sie führt in ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des hellen mit sich und besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft.
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Rothgelb (Anm.: gemeint ist Sonnengelb)
...Das Rothgelbe gibt eigentlich dem Auge das Gefühl von Wärme und Wonne...

Gelbroth (Anm.: Hellrot)
Man darf eine vollkommen gelbrothe Fläche starr ansehen, so scheint sich die Farbe wirklich ins Organ (das Auge) zu bohren. Sie bringt eine unglaubliche Erschütterung hervor...
Die Erscheinung eines gelbrothen Tuches beunruhigt und erzürnt die Thiere. Auch habe ich gebildete Menschen gekannt, denen es unerträglich fiel, wenn ihnen an einem sonst grauen Tage jemand im Scharlachrock begegnete.
Blau.
So wie Gelb immer ein Licht mit sich führt, so kann man sagen, daß Blau immer etwas Dunkles mit sich führe.
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Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen.
Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.
Das Blaue gibt uns ein Gefühl von Kälte, so wie es auch an Schatten erinnert...
Zimmer, die rein blau austapezirt sind, erscheinen gewissermaßen weit, aber eigentlich leer und kalt.
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Rothblau (Violett)
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Sehr verdünnt kennen wir diese Farbe unter dem Namen Lila;
aber auch so hat sie etwas Lebhaftes ohne Fröhlichkeit.“
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Wenn Sie sich mit einer Farbe umgeben oder durch farbiges Glas sehen und sich in die Farbe hinein versenken oder versetzen, so wie Goethe dies praktiziert hat, bekommen Sie einen Bezug zu diesen Schilderungen und eine völlig neue Farbwahrnehmung.
Sie werden erkennen, dass jede Farbe eine Bewegung hat und auch einen selbst „bewegt“.
So ist es möglich, dass man bei denselben Temperaturen in einem Raum zu frösteln beginnt, während man sich in dem anderen wohl fühlt.
In der Musik gibt es „helle“ Töne und „dunkle“ Töne, umgekehrt gibt es „schreiende“ Farben, Farbkompositionen,...
Ein Engländer sagt, er fühlt sich blau und meint damit, er ist traurig.
Alle diese Ausdrücke haben mit dieser lebendigen Farbwahrnehmung zu tun, welche in keinem Buch sondern nur durch Ausprobieren zu finden ist.
Viel Spaß beim Experimentieren!
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